Nordsyrien

Syrien selbst ist als Bürgerkriegsland immer wieder Gegenstand der Berichtserstattung in Deutschland. In weiten Teilen des Landes herrscht eine absurde Situation: Mitten im Bürgerkrieg versuchen die Menschen, die nicht fliehen konnten, so gut wie möglich ihren Alltag zu meistern.

Die regierungstreuen Truppen haben sich bis auf wenige strategisch bedeutsame Orte aus dem nördlichen Streifen Syriens zurückgezogen. Die dortige Bevölkerung ergriff diese Chance und nahm ihre Geschicke selbst in die Hand. Sie nennen ihre Region Rojava. In drei Kantone aufgeteilt organisieren sie ein demokratisches Gemeinwesen, wie es in der Region einzigartig ist. In einem Gesellschaftsvertrag haben sie grundlegende demokratische Rechte festgeschrieben und die UN Kinderrechtskonvention verabschiedet. Die Bevölkerung von Rojava ist multiethnisch und interreligiös zusammengesetzt. Es herrscht uneingeschränkte Religionsfreiheit in einer demokratisch verfassten Gesellschaft. Ethnische 'Minderheiten' sind in die Selbstverwaltungsstrukturen integriert.

Viele Binnenflüchtlinge aus Syrien haben sich in diese Gebiete geflüchtet. Aus dem umkämpften Allepo sind beispielsweise viele christliche Syrer in den Kanton Afrin geflohen.

Erschwert wird die humanitäre Hilfe für dieses Gebiet unter anderem durch eine historisch einmalige Situation.

Von der syrischen Regierung verlassen, gehören die Kantone von Rojava formal zum Staat Syrien. Die Regierung in Damaskus boykottiert diese Gebiete jedoch. Die Grenze zur Türkei wird von der Regierung in Ankara geschlossen gehalten. Hilfslieferungen müssen zum Teil über die Grenze geschmuggelt werden. Die Mörderbanden des 'IS' versuchen die nordsyrischen Gebiete zu erobern, um sich eine lange Grenze zur Türkei zu sichern. Die demokratische Selbstverwaltung scheint allen drei Kräften in der Region ein Feindbild zu sein. Dabei liegt gerade hier die Hoffnung für ein demokratisches und multiethnisches Syrien, in dem hoffentlich bald Frieden einziehen wird.